Fast 1.000 Apotheker haben mittlerweile an der ATHINA-Fortbildung der Apothekerkammer Niedersachsen teilgenommen. Dr. Sandra Schneidereit, Filialleiterin und Apothekerin der Löns Apotheke in Buchholz in der Nordheide, ist eine von ihnen. Ihr wurde von Magdalene Linz, Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen, feierlich das 400. ATHINA-Zertifikat verliehen.

ATHINA steht für Arzneimitteltherapiesicherheit in Apotheken und dient dem professionellen Medikationsmanagement. Hierbei beraten Apotheker fundiert Patienten, die mehrere Medikamente einnehmen. Sie analysieren deren Medikation, erkennen Probleme und schlagen in Abstimmung mit dem Arzt Verbesserungen vor. Gerade für ältere Menschen, bei denen mehrere Krankheiten bestehen  und die dadurch viele Arzneimittel einnehmen müssen, bietet sich solch eine Medikationsanalyse an. Denn nicht alle Präparate sind miteinander verträglich.

Das System basiert auf dem in den USA schon seit Jahren eingesetzten „Brown-Bag-Review“. Hierbei bringt der Patient seine kompletten Medikamente in einer Tüte, der sogenannten Arzneimittelsicherheitstüte, mit in die Apotheke.

Dr. Sandra Schneidereit freut sich sehr über ihre Auszeichnung und hält das Thema Arzneimitteltherapiesicherheit in Apotheken für besonders wichtig. „Gerade bei Menschen, die viele Präparate einnehmen, die sie beispielsweise von unterschiedlichen Ärzten verordnet bekommen haben oder die sie sich selbst  in der Apotheke oder in der Drogerie besorgen, sollte die Einnahme überprüft werden. Denn vielen ist überhaupt nicht bewusst, welche – unter Umständen verheerenden – Wechselwirkungen kurz- oder langfristig dabei im Körper entstehen können. Auch im Hinblick auf die Selbstmedikation ist hier Vorsicht geboten.“

Dr. Alexander Schmitz, Apotheker und Inhaber der Löns Apotheke, ergänzt: „Wenn Autofahren so gefährlich wäre wie die Polymedikation, dann wäre Autofahren verboten!“ Auch er sieht in der Beratung im Hinblick auf die Arzneimittelsicherheit einen großen Bedarf. Im Zweifel können dadurch wirklich Leben gerettet werden.

Magdalene Linz, selbst Inhaberin zweier Apotheken in Hannover, kann dies ebenfalls nur bestätigen: „Bereits etwas vermeintlich Harmloses, wie etwa Zink oder Magnesium, kann eine Wechselwirkung auslösen. Das ist vielen Patienten nicht bewusst, da diese Präparate nicht als Arzneimittel gesehen werden.“ Weiter erläutert sie, dass die Arzneimitteltherapie immer noch ein großes Hochrisikogebiet für Krankenhäuser darstellt, wie auch Studien des Aktionsbündnisses für Patientensicherheit belegen.

In diesem Bereich gilt es also, viel Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung zu betreiben. Die AOK Niedersachsen als eine der großen Krankenkassen, hat diese Notwendigkeit bereits erkannt und daher mit dem Apothekerverband Niedersachsen eine Vereinbarung geschlossen, in der es um ein ergänzendes Vertragsangebot der Apotheke im Bereich der Hausarztzentrierten Versorgung zwischen AOK und Ärzten geht. Dabei sollen in diesem Vertrag und dem Modul Arzneimitteltherapiesicherheit von der AOK ausgewählte Patienten von ihrem Hausarzt bezüglich unerwünschter Arzneimittelwirkungen, Wechselwirkungen, Kontraindikationen, Doppel- und Mehrfachverordnungen sowie Dosis und Therapiedauer beraten werden. Der Hausarzt kann diese Beratung bei Bedarf auch direkt an die Apotheke übertragen. Magdalene Linz begrüßt dies, denn die Krankenkassen profitieren ihrer Ansicht nach ganz klar davon. „Durch eine umfassende Medikationsanalyse können Folgeerkrankungen und im schlimmsten Fall sogar Krankenhausaufenthalte vermieden werden.“

Am Ende sind sich alle einig: „Unser oberstes Ziel ist es, dass es dem Patienten gut geht.“